Kategorie-Archiv: Antisemitismus

Moshe

Moshe in Israel
Moshe in Israel

Bei einer Veranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft erzählte Amos Hausner, der Sohn von Gideon Hausner, dem Hauptankläger im Eichmann Prozess, aus einer persönlichen Sicht vom Leben und Wirken seines Vaters. Er hat die Probleme des Anklägers Gideon Hausner geschildert, die Überlebenden des Holocaust in den Zeugenstand zu bewegen. Die persönliche Aufarbeitung des Holocaust fiel vielen Überlebenden sehr schwer. Viele waren sich sicher, dass sie nicht aussagen könnten. Zu gross war der Horror, den sie tief in sich begraben hatten, um ihn für die Anklage aufzubearbeiten.

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Strapaziertes Glück

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„Ungefähr in dem Abstand, in dem wir uns gerade gegenüber sitzen, saß ich Eichmann gegenüber. Am 8. April 1944 in Budapest” erzählt mir Robert Tomashov an einem späten Abend, wenige Wochen vor seinem 100. Geburtstag, als er darauf wartet, dass ihm die diensthabende Schwester seinen Daumen verbindet, den er sich beim Versuch Tee aufzukochen, verbrüht hat. Am 8. April 1944, so fährt er in einer Erzählung fort, habe er von Schergen der Gestapo Peitschenhiebe bekommen, dass er dachte sein Kopf falle herunter. Er habe Eichmann angefleht ihn zu verschonen, doch der habe nur entgegnet: “Hinüber zu den anderen Banditen”, was bedeutete, dass er für den Transport nach Auschwitz bestimmt war.
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Der Wille zu leben

© Florian Krauss
© Florian Krauss

Über die schrecklichen Dinge, die er durchgemacht hat, schwieg Pessach Anderman sechzig Jahre. Er habe eine Stahlwand um die Vergangenheit errichtet, sagt der Holocaustüberlebende. Er habe die Gegenwart gelebt mit vielen Zukunftshoffnungen und habe nicht gewollt, dass seine Kinder im Schatten seiner düsteren Erlebnisse aufwachsen.

Als seine Enkelkinder erwachsen wurden, fühlte er sich verpflichtet seine Geschichte zu erzählen und hat sie in dem Buch “כוח החיים” niedergeschrieben. Um künftigen Generationen von Israelis zu verstehen zu geben, woher sie gekommen seien und sie für den weiteren Aufbau ihrer Nation zu stärken.
Und um künftigen Generationen von Nicht-Israelis die Begründung für den jüdischen Staat darzulegen. Der Wille zu leben weiterlesen

Flüchtlingsschiffe

© Florian Krauss
Arie und ich im Heim © Florian Krauss

1924 kehre Natan Perlmann aus Königsberg Deutschland den Rücken. Mit seiner Frau und seiner einjährigen Tochter Elisheva wanderte der deutsche Jude nach Palästina aus. Deutschland, so befand er seit seinem Ausscheiden aus der Armee, sei zu antisemitisch. Er kaufte sich mit dem Geld seines Vaters eine Orangenplantage bei Petach Tikva, wo Elisheva aufwuchs.

Ebenfalls 1924 ist Arie Erez als Louis Holzmann im zweiten Bezirk Wiens geboren, dem Bezirk, in dem „die meisten Juden der Stadt lebten“, wie er sagt. Dem heute 91jährigen ist sein Alter kaum anzusehen. Seine stattliche Größe präsentiert er in aufrechtem Gang. Arie ist ein Kavalier der alten Schule, geistig frisch und stets wohlgelaunt.

Seiner Kindheit wurde ein Ende bereitet, als Österreich 1938 heim ins Reich kam. 1939 verließ Arie Wien, um mit einem illegalen Transport über die Donau ans Schwarze Meer und von dort nach Palästina zu gelangen.

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BDS vs. Zwei Staaten

Ortstermin: Elternheim Pinkhas Rosen Ramat Gan

Als die 10-jährige Gertrud Jakobsohn Anfang April 1933 von der Schule nach Hause kam, sah sie gepackte Koffer und ihre Familie zur Abreise drängen. Mitten im Schuljahr und dazu noch an dem Tag, an dem sie bei ihrer Freundin Lena zur Geburtstagsfeier eingeladen war.

Es war der Boykotttag, an dem auch das Warenhaus Schocken in Nürnberg angegriffen wurde nebst der Verleumdung über vergiftete Wurst. Ihr Vater, der in der 13. Niederlassung der Warenhauskette des jüdischen Kaufmanns Salman Schocken eine leitende Position begleitete, sah sich genötigt, mit seiner Familie die Villa nahe des Tiergartens in Nürnberg zu verlassen und ins entfernte Hamburg zu fliehen, wo die antisemitischen Auswüchse noch hinter denen in der Nazi Hochburg Nürnberg zurückstanden.
Nach zwei Jahren in Hamburg und zwei weiteren in Freiberg emmigrierte die Familie 1937 nach Palästina, wo sie in Tel Aviv statt in einer Villa in einer beengten Wohnung neu anfangen musste.

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Verlorene Heimat

Als am 9. November 1938 in Deutschland die Synagogen brannten, wich in der Familie von Regina Kessler die Sorge der Angst.
Die Synagoge, die ihr Vater jeden Shabat besucht hatte, stand in Flammen. Die Familie sass in ihrer Wohnung in einem Berliner Mehrfamilienhaus, als wenig später die Gestapo auftauchte. Geistesgegenwärtig ging ihre ältere, blonde Schwester ins Treppenhaus, um den Schergen zu erzählen, dass die Juden im Haus bereits abgeholt worden seien. Regina Kessler gelang es noch, sich von der Kinder- und Jugendaliya eine Anstellung als Haushälterin bei einer jüdischen Familie in Southhampton vermitteln zu lassen. So kam sie noch 1938 an Ausreisepapiere und verliess Deutschland. Ihre Eltern und ihre ältere Schwester blieben zurück und fielen dem Holocaust zum Opfer.

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