Zeitzeugen pt.5

Ich lebe seit 2007 in Israel und habe durch meine Arbeit im Elternheim und außerhalb des Heims viele Menschen kennengelernt, die älter sind als der Staat Israel. Manchen habe ich kurze Einträge auf Facebook gewidmet. Auch vielfachen Wunsch habe ich die Posts hier zusammengetragen.


Shmuel Reinstein

(facebook post vom 7.1.19.)

Shmuel Reinstein in seinem Haus in Givatayim 2019

Shmuel Reinstein wurde 24. April 1930 als achtes Kind jüdischer Händler in Strzemieszyce geboren. Sein Vater, der Eier und Butter nach Deutschland verkaufte, verstarb früh. Bis zu seiner Auswanderung nach Palästina führte Shmuels ältester Bruder den Handel weiter, der dann vom Nächstältesten übernommen wurde. In der Familie wurde Jiddisch und Polnisch gesprochen und Deutsch. Als die Deutschen die Stadt eroberten, wurden Shmuel, seine Mutter und seine Geschwister, die noch bei der Mutter wohnten aus ihrem Haus in der Hauptstraße der Stadt geworfen um Platz für Volksdeutsche zu machen. Die Familie mietete zwei Zimmer eines Hauses auf dem Gelände einer Brauerei, die wenig später in die Hände des SS Offiziers Huber fiel. Dieser annektierte mit der Fabrik die Fünf Zimmer Wohnung des Fabrikanten und war fortan der Nachbar der Familie Reinstein. SS Huber hatte einen Faible für Hasen und Shmuel begleitete Adolf, den gleichaltrigen Sohn des SS Offiziers manches Mal beim Futter holen. Die Deutschen Besatzer drangsalierten die Juden mit immer mehr Verboten und Restriktionen und unterstützt durch die Denunzianten begann die Verschleppung der versteckt lebenden Juden. Als Adolf Shmuel verriet, dass sein Vater seiner Mutter gesagt hat, dass die Nachbarn am nächsten Tag dran sein werden, ging Shmuel mit dieser Information schnell zu seiner Mutter. Diese verlor darauf keine Zeit und floh mit den Kindern vier Tage lang in den Wald. Zurück in der Stadt suchten sie sich eine neue Bleibe, wurde aber dann mit allen anderen Juden der Stadt gezwungen ins Ghetto zu ziehen. Die Polen, so erzählt Shmuel, krallten sich indes den Besitz der Juden. Die ständige Verschärfung der Repressionen ging weiter. Jüdische Schulen wurden verboten. Die Deutschen verlangten nach Gold, Kupfer und Pelzen. Die Juden wurden gezwungen, Hunderte junge Frauen und Hunderte junge Männer zur Zwangsarbeit an die Deutschen zu überstellen. Jede Familie musste unmenschliche Opfer bringen. Wer den Forderungen nicht nachkam wurde deportiert. Jede Familie suchte nach Verstecken um den Deportationen zu entgehen. Shmuels älterer Bruder war mit seiner Frau und Zwangsarbeitern aus dem Ghetto und ihr Baby bei seiner Mutter, als die Deutschen mit der von ihnen installierten polnischen Hilfspolizei eine Aktion durchführten. Mit Lautsprechern wurden die Juden zum Appellplatz beordert. Shmuels Mutter versuchte sich und das Baby zu verstecken. Shmuel, der sich ebenfalls versteckte, tauchte zu früh aus seinem Versteck auf und zum Appellplatz gebracht, von wo bereits viele Juden deportiert wurden. Seine Mutter sah er nie wieder und weiß noch heute nicht, wo sie umgebracht wurde. Die Deutschen führten am Appellplatz eine Selektionen durch und schickten ihn auf die Seite der Alten, Frauen und Kinder. Sein Bruder Meir war bei den Arbeitsfähigen. Shmuel rannte und entkam ins Haus seiner Großmutter, das direkt am Appellplatz lag und wurde dort mit Hunden aufgespürt. Im Jahr 1992 nahm Shmuel seine Kinder mit nach Strzemieszyce um ihnen das Haus zu zeigen und den Treppenaufgang, unter dem er versucht hat sich zu verstecken.Zurück am Appellplatz gelang es Shmuel, besessen vom Gedanken an Flucht, eine Unaufmerksamkeit des Wachmanns, der fortan ein Auge auf ihn hatte, auszunutzen und sich zu seinem Bruder zu schleichen, der in sofort mit einem Mantel eines Freundes bedeckte. Dann aber wurde eine weitere Selektion durchgeführt, bei der nach Alter und Beruf gefragt wurde. Der 11 1/2 – jährige Shmuel antwortete: 17 und Hilfsklempner. Mit anderen Arbeitsfähigen wurde er nach Auschwitz gebracht, wo ihnen eine Nummer eintätowiert und gesagt wurde, dass die fortan keine Namen, sondern nur noch Nummern haben. Wie sein Bruder Meir kam er in Arbeitslager Blechhammer. Shmuel gab sich fortan als Schreiner, Installateur und Klempner aus und wurde einige Male vom Judenältesten davor gerettet aufzufliegen. Der Tag in Blechhammer begann um Vier mit einem Becher lauwarmem Wasser und dem Appell, der bis Viertel vor Sieben dauerte. Dann holte die SS die Zwangsarbeiter ab. Einmal als Shmuel beim Straßenbau eingeteilt war und Steine nicht zur Zufriedenheit des Aufsehers klopfte, schlug der ihn mit dem Gewehrkolben und verletzte ihn ernsthaft. Ein holländischer Kriegsgefangener, der die Szene sah, rettete Shmuel davor an Ort und Stelle erschossen zu werden, indem er dem Aufseher sagte, dass er den Jungen als Helfer für Waldarbeiten brauche. 75 Jahre später sagt Shmuel, dass er sich sicher ist, dass er Hilfe von ganz Oben erhalten hat.Von Blechhammer kamen Shmuel und sein Bruder Meir nach Gros Rosen und von dort nach Buchenwald. Dort bekam Shmuel die Kleidung eines politischen Häftlings und war fortan politischer Häftling. Sein Bruder wurde bei einem Bombardement verletzt und kam in den Invalidenblock. Shmuel riskierte viel um ihn zu finden, was ihm schließlich gelang. Von Buchenwald wurden Shmuel, der sich fortan Lolek nannte, und Meir nach Flossenbürg deportiert, wohin auch Insassen aus anderen Konzentrationslagern verlegt wurden. Im Hauptlager Flossenbürg, wo sich zu der Zeit ca. 15.000 Häftlinge befanden, wurden Shmuel und sein Bruder als politische Gefangene mit ca. 2000 Polen und Ukrainern in eine Baracke gequetscht. Von Mitgefangenen bezichtigt Jude zu sein musste sich Shmuel vor einem SS Mann auf einen Tisch stellen und die Hose runter lassen. Shmuel lies sich Zeit, wusste aber dass er seinem Tod nicht entkommen würde. Sein unbeschreibliches Glück war ein Fliegeralarm. Der SS Mann rannte und Shmuel und sein Bruder übernachteten fortan in der Eiseskälte neben der Baracke. Als Shmuel im Dezember 2018 von Flossenbürg als einem „ganz furchtbaren Ort“ erzählt, macht er eine Pause und starrt ins Leere. „Es da vieles“, so sagt er, „das zu brutal ist, um erzählt zu werden“. Und es wird klar, dass Shmuel vielleicht nie Alles erzählen wird, was er durchmachen musste. Als dir Amerikaner Bayern eroberten wurden die Häftlinge aus Flossenbürg auf verschiedenen Evakuierungsmärschen Richtung Dachau geschickt, um sie dem Zugriff der US Armee zu entziehen. Die Todesmärsche zogen eine Blutspur durch die Oberpfalz. In dünner Häftlingskleidung und mit Holzschuhen in der Kälte und im strömenden Regen durch Felder und sumpfige Wiesen, war es vielen Häftlingen nicht möglich, Schritt zu halten. Wer zurückfiel wurde gnadenlos erschossen. Shmuel erzählt, wie sie auch durch Dörfer getrieben wurden, in denen die Bevölkerung die ausgemergelten Häftlingen gesehen hat. Nicht selten wurden Menschen vor den Augen von Dorfbewohnern umgebracht. Nach Kriegsende wurden Tausende Tote entlang der Routen der Todesmärsche entdeckt. Es gab kein Dorf, in dem nicht ein Dutzend Leichen zurückblieben, erzählt Shmuel. Wenn er heute hört, dass die Deutschen nichts wussten, kann er nur ungläubig den Kopf schütteln. Shmuel lief in den ersten Reihen um hier und da zu riskieren, vom Wegrand etwas Essen aufzupicken ohne zurückzubleiben. Als sie bei Regensburg Panzer hörten und SS Männer desertierten, wussten sie dass ihre Rettung nahe ist. Die amerikanischen Befreier, so erinnert sich Shmuel, gaben den geschundenen Menschen, die den Todesmarsch überlebt hatten, Kekse und Schokolade. Shmuel und sein Bruder fanden in Regensburg erst ein leeres Haus ohne Essen, dann ein leeres Haus mit Essen. Doch das Leiden war nicht vorbei für die Beiden. Sein Bruder war an Typhus erkrankt und musste mit einem Krankenwagen abgeholt werden. Shmuel machte sich auf die Suche und fand seinen Bruder schließlich in Neunburg vorm Wald, wo in der Schule ein Krankenhaus für Typhus eingerichtet wurde. Shmuel legte sich zu seinem Bruder ins Bett, wo er von einer entsetzten Krankenschwester entdeckt und vertrieben wurde. Allerdings wurde ihm erlaubt im Gebäude in einem anderen Stockwerk zu bleiben.In Neunburg knüpfte Shmuel Kontakt zu Amerikanern, die sich seine Geschichte anhörten und entsetzt waren. Shmuel erklärte den in Neunburg stationierte Amerikanern, wie sie SS Leute anhand ihrer Tätowierungen identifizieren konnten. Die Amerikaner riegelten darauf die Kirche während des Gottesdienst ab und kontrollierten jeden Kirchgänger. Ein Oberst der US Army schrieb ihm einen Brief, in dem stand, dass jeder Amerikaner dazu angehalten ist ihm zu helfen. Als seine amerikanischen Freunde nach Japan verlegt wurden, wollte Shmuel mitkommen, doch ihm wurde gesagt es sei zu gefährlich. Greta Fischer, eine Mitarbeiterin der UNRRA entdeckte ihn später auf der Straße und brachte ihn in das DP Kinderzentrum Kloster Indersdorf, wo er einige Wochen blieb. Im Oktober 1945 wurden Shmuel und Meir auf eine Ausreiseliste nach England gesetzt. Doch Meir fand bei einem Ausflug nach München heraus, dass eine Schwester von ihnen den Holocaust ebenfalls überlebt hatte und im DP Feldafing war. Da sie nicht auf die Ausreiseliste gesetzt werden konnte, beschlossen Shmuel und Meir ebenfalls zu verzichteten. In der folgenden Zeit entwickelten sie sich zu Zionisten. Schließlich fand sie ihr Bruder, der nach Palästina ausgewandert war und sich für die Jüdische Brigade rekrutiert hatte und nach Überlebenden seiner Familie in Europa gesucht hatte. Da er sich der Bricha anschloss, gelangte Meir an seiner Stelle mit seinen Papieren nach Palästina. Shmuel ging nach Erding, wo er zwei jüdische Soldaten der US Army traf, denen er seinen Brief präsentierte. Er wurde sofort umsorgt, bekam Army Kleider und Essensmarken und wurde in der Villa Struppler untergebracht. Ganz besonders herzlich kümmerte sich die Army Sekretärin Patty um sein Wohlergehen und tatsächlich gelang es Shmuel Patty Jahrzehnte später ausfindig zu machen und in den USA zu besuchen. Die Amerikaner in Erding boten Shmuel an in die USA zu gehen, doch Shmuel träumte vom Yishuv in Palästina. Als die Amerikaner ihn fragten, was es dort geben würde antwortete er: „Orangen”. Die Amerikaner gaben ihm 500 Dollar und Shmuel gelangte auf eines der illegalen Schiffe der Aliya Beth, das vor der Küste Palästinas abgefangen wurde. Nach zwei Monaten in einem Internierungslager in Zypern reiste er ins gelobte Land ein. Bei einer Rede im Hauptquartier der UN in New York dankte Shmuel am 26. Januar 2016 den USA und der US Army für seine Befreiung und dafür, dass sie ihn in Neuburg mit Kleidung und Nahrung versorgt haben. Des Weiteren dankte er Greta Fischer und den Helferinnen im Kloster Indersdorf, die ihm “Essen auf einem Teller mit Messer und Gabel, ein Bett mit weißen Bezügen und Kissen und eine Zahnbürste gegeben haben”. Shmuel hielt die Rede zum Anlass der Eröffnung einer Ausstellung über “Das Leben nach dem Überleben” in der Besucherlobby der Vereinten Nationen. Die Ausstellung war eine Dokumentation der humanitären Anstrengungen von UN Pionieren für eine sorgende Umgebung für die jüngsten Opfer des Nationalsozialismus. Einen ganz speziellen Dank sprach Shmuel Anna Andlauer aus, die ihn in Israel gesucht und gefunden hat und das Buch “Zurück ins Leben” über die Holocaust Überlebenden aus dem Kloster Indersdorf geschrieben hat. Bei Kent Zigaretten und schwarzen Kaffee zeigt der inzwischen 88-jährige Shmuel im Arbeitszimmer seines Hauses in Givatayim das Titelbild einer Beilage der Yedioth Achronot vom 13.01.2010, auf dem vier Dutzend s/w Aufnahmen junger Menschen zu sehen sind, die ein Schild mit ihrem Namen in die Kamera halten. Die Bilder sind alle in Indersdorf entstanden und in der Beilage der Yedioth wurde gefragt, ob irgendjemand eine der Personen identifizieren kann. So gelangte Anna Andlauer an Shmuel und Meir Reinstein. Die Brüder sind zwei von über 100 Bewohnern des ehemaligen DP Kinderzentrum Indersdorf, die Anna Andlauer aufspüren konnte.

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Yoshua Rash

(facebok post vom 21.7.17)

Yoshua Rash bei der Hochzeit seines Enkels 2012

Als Yoshua Rash ins Heim kam war er bereits verstummt. Es war an Madame Rash zu erzählen, wie großartig ihr Mann war. Joshua und Miriam lernten sich während der Nachkriegswirren in Paris kennen, wo sie von ihm in die Betreuung von Holocaust Waisen eingearbeitet wurde. Gemeinsam beschlossen sie nach Palästina auszuwandern und dort zu heiraten. 60 Ehejahre später wurden sie wegen seiner Pflegebedürftigkeit getrennt. Obwohl Miriam selbst schlecht zu Fuss war, nahm sie sich zwei Mal am Tag ein Taxi um „mon soldat“, wie sie ihn liebevoll nannte, im Heim zu besuchen. (Das Bild entstand auf der Hochzeit ihres Enkels, bei der ich als sein Pfleger dabei war und sie ihm den ganzen Abend nicht von der Seite gewichen ist. Darüber dass er nichts essen konnte, hat sie vergessen selbst zu essen)Yoshua war Sohn einer religiösen Jiddisch sprechenden Familie aus Antwerpen und ging auf eine jüdische Religionsschule. Nach dem Überfall der Nazis konnte seine Familie nach Korsika fliehen. Dort haben er und sein Bruder sich der Résistance angeschlossen. Nach dem Krieg wurden sie von Frankreich mit einem Orden ausgezeichnet. Einmal, so erfuhr Madame von ihrem Schwager, gelangten die Widerstandskämpfer an belegte Brote. Obwohl halb ausgehungert rührte Yoshua die mit Jambon belegten Schnitten nicht an. Seine Erziehung in der Religionsschule verbot ihm sogar, das Brot zu essen, das mit dem Schwein in Berührung war.Als ihm zum Ende des Krieges das Ausmaß der Judenvernichtung klar wurde, wandte er sich vom Glauben ab und schloss sich dem Shomer HaZair an.Yoshua, der keine abgeschlossene Schulausbildung hatte, entschloss sich nach Paris zu gehen und begann als Betreuer von Holocaust Waisen zu arbeiten. Dort lernte er Miriam kennen und die Beiden wurden ein Paar. Sie arbeiteten zwei Jahre lang zusammen mit Holocaust Waisen in verschiedenen Städten in Frankreich. Mit der Zeit wuchs ihr Verlangen nach Eretz Israel auszuwandern. Dort angekommen trat Yoshua der kommunistischen Mapam bei, einer Partei, die aus dem HaShomer HaZair hervorgegangen ist und in den ersten Jahren nach der Staatsgründung ärgster Widersacher von Ben Gurions sozialistischer Arbeiterpartei Mapai war. Yoshua und Madame lebten in einem Kibbuz des Shomer HaZair, wo sich Yoshuas als begabter Landwirt herausstellte. In der Kollektivsiedlung wurden alle Arbeiten nach dem Rotationsprinzip von allen Kibbuzniks verrichtet. Yoshua war eine Zeit lang im Sekretariat und eine Zeit lang in der Viehwirtschaft und die meiste Zeit auf den Plantagen. In den Arbeitspausen und nach harten Arbeitstagen in der brennenden Sonne zog sich Yoshua stets mit der Tageszeitung oder einem Buch zurück und hatte im Kibbuz schon bald einen Ruf als „Herr Professor“. Anfang der 50er Jahre warben der Shomer HaZair und andere zionistische Bewegungen für die Einwanderung jener Juden aus Marokko, die sich in der Landwirtschaft auskannten und von denen sie sich sicher waren, dass sie einen großen Beitrag zur landwirtschaftlicher Erschließung des jungen israelischen Staates leisten konnten. Als französisch sprechender Kibbuz Bewohner wurde Yoshua mit einer Delegation des Shomer HaZair nach Nordafrika entsandt. So befand sich Yoshua in Marokko als dort der Bürgerkrieg ausbrach. Statt wie angewiesen nach Frankreich zu gehen, blieb Yoshua im Land und studierte die Ereignisse. Nach seiner Rückkehr nach Israel schrieb er viel beachtete Artikel über seine Beobachtungen. 1967 wurde er zum israelischen Botschafter im Niger ernannt. Sein Amtsantritt verzögerte sich aufgrund des Sechs-Tage-Krieges. 1970 fand in der Stadt Niamey der Gründungskongress der Frankophonie statt. Auf dem Kongress lernte Yoshua Professor Chevrier von der Sorbonne kennen, der seine Artikel über Nordafrika gelesen hatte. Professor J. Chevrier arbeitete zu der Zeit an einer Arbeit über afrikanische Stämme und war auf der Suche nach Jemandem, der ihm zuarbeitet. Yoshua sollte seine Zeit in dem afrikanischen Land nutzen, um seine Forschungen zu unterstützen. Yoshua arbeitete bis zum Yom Kippur Krieg 1973 als israelischer Botschafter. Nach Niger in Togo. Jede Woche schickte er dem Professor ein Exposé nach Paris. Als Gegenleistung verhalf ihm der Professor an der Sorbonne zu promovieren. Als er zu uns auf die Pflegestation kam, bat Madame aber darum ihn nicht als Dr. Yoshua Rash zu fuehren, sondern nur als Yoshua. Denn das Hauptanliegen ihres Soldaten sei immer gewesen: „Wichtg ist der Mensch“.

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Johanan

(facebook Eintrag vom 19.10.18)

Johanan 2019

Johanan kommt aus einer zionistischen Familie aus Neukölln, die nach der Machtergreifung der Nazis nach Frankreich geflohen und von dort im April 1935 nach Palästina ausgewandert ist. An seinem sechsten Geburtstag kam Johann im Yishuv an und lebte sein Leben lang in Ramat Gan. Die Stadt bestand in den 30er Jahren vor allem aus Zitrusfrucht Plantagen. Sein Vater fand eine Anstellung auf den Plantagen, die er mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verlor. Weil die Nachfrage nach Orangen und Co. einbrach, wurden die Plantagen zu Baugebieten. Johanna Vater erwarb einen Esel und einen Wagen, fuhr auf den Großmarkt nach Tel Aviv und brachte Kartoffeln, Zwiebeln und salzigen Fisch nach Ramat Gan, wo er die Ware jeden Tag an drei bis vier Standorten je zwei oder drei Stunden anbot. Schließlich eröffnete er einen eigenen Gemüseladen. Auf dem Weg zum Großmarkt passierte er gegenüber dem Kino Ordea in der Bialik Straße den Kiosk eines Jecken und kaufte dort ein Eis für sich und ein kleines Eis für den Esel, der anders nicht zum Weitergehen zu bewegen war. Später schickte er seinen Sohn Freitags statt zur Schule auf den Großmarkt. Dieser war noch am heutigen Karmes Markt und aufgeteilt zwischen jüdischen Händlern oben und arabischen Händlern, die Obst aus dem Libanon anboten, unten. Später zog der Großmarkt in die Aliya Straße. Auf dem Heimweg von dort führte der Weg an einem Strohverkäufer in der Montifiori vorbei, den der Esel ansteuerte und dort stehen blieb bis er Stroh bekam. Danach zog der Esel den Wagen mit dem Einkauf nach Ramat Gan. Mit 15 Jahren rekrutierte sich Johann für den Etzel und wurde zum Verantwortlichen für die Waffenlagerung. So musste er stets Waffen verstecken und aus den Verstecken an Kämpfer aushändigen, die damit in den Plantagen trainierten oder zu Überfällen und Sanotageaktionen aufbrachen. So musste er auch die Waffen nach dem berühmt gewordenen Überfall auf die britische Polizeistation in Ramat Gan verstecken. Auch das Gewehr von Dov Gruner, der bei dem Überfall verletzt und gefangen genommen und später exekutiert wurde. Johanan versteckte die Waffen im Becken einer sich im Bau befindlichen Mikve und bedeckte sie mit Bauschutt. Die Briten, die fiberhaft danach suchten fanden sie nie. In der Nacht der Brücken gehörte er einem Trupp von 30 Etzel Kämpfern an, die eine Eisenbahnbrücke südlich von Holon sprengten und dann Richtung Bat Yam flohen und dabei von einem britischen Flugzeug entdeckt wurden. Eine Spezialeinheit der britischen Polizei, die in Sorona stationiert war, stellte den Trupp. Johanan und einem Kameraden gelang es nach Yafo zu fliehen. Sein Bruder wurde bei anderer Gelegenheit erwischt und verbrachte 3 Jahre in britischer Gefangenschaft in Sorona und im Sudan.
Als der Staat gegründet wurde, brach Johanan mit dem Etzel und schloss sich der legendären Palmach Einheit Har’El an und kämpfte unter dem Kommando von Rabin.


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Beit Wolyn

1965 errichtete die Vereinigung Wolhynien mit Geldern, die sie auf der ganzen Welt gesammelt haben in Givatayim ein großes Haus in Form eines Sarges zum Gedenken an Wolhynien. Das Beit Wolyn ist ein extrem brutalistischer und beklemmender Betonklotz. Im Inneren gibt es ein Auditorium, ein paar Ausstellungsstücke und verschiedene Räume für die Untergruppen der Vereinigung Wolhynien, die sich nach der Zugehörigkeit zu den ehemaligen Gemeinden in Wolhynien gliedern. Seit den 70er Jahren nutzt Yad VaShem das Gebäude als Außenstelle. Beit Wolyn weiterlesen

Zalman

Zalman Ackermann erlebte die brutale Bombardierung Warschaus durch die deutsche Luftwaffe, die nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen unterschied. Bei dem Luftangriff wurde das Gebäude in dem sich die Wohnung von Zalmans Familie befand so schwer getroffen, dass mehr als Hundert Bewohner des Gebäudes, die sich im Bunker in Sicherheit wähnten, ums Leben gekommen sind. Zalman, seine Eltern und seine Großmutter, die nicht in den Bunker gegangen waren überlebten. Ihre Wohnung war so verwüstet, dass sie fortan in der Küche und einem weiteren Zimmer wohnen mussten.

Sein Vater war Hutmacher und seine Mutter Krankenschwester und beide gingen nach dem Einmarsch der Deutschen zunächst weiter ihren Tätigkeiten nach. Sie dachten darüber nach, in den sowjetisch besetzten Teil Polens zu fliehen verwarfen diesen Gedanken. Zalman erzählt, dass die Restriktionen jeden Tag mehr und die Situation für die Juden jeden Tag schlimmer wurde. Im Oktober 1940 wurden die Juden Warschaus gezwungen ins Ghetto zu ziehen. Er erinnert sich an die unmenschliche Enge im Ghetto, den Hunger und die Hungertoten und die Krankheiten den sehr viele Menschen zum Opfer fielen und die Erschießungen.

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The game of the fans

For some football is the „beautiful game”. In the less advantaged places of Israel, it’s more than that. The fan group Sderot Ultras that was founded two years ago is a good example. The rocket battered town’s Maccabi club only plays in the fourth Israeli league, but Shahar Shitrit, one of the leading figures of the Sderot Ultras explains: „Small children come with their parents to the stadium and we have many women in the stands.“ Some of them were not interested in football at all and started to come only for the atmosphere. „The games on Friday have shaped the city. People are downright waiting for the games.“

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The life after survival

On January 13, 2010, the cover page of “24 hours”, a supplement of Yedioth Achronot, featured four dozen historical black-and-white photos of underage survivors of the Holocaust holding a sign with their name in the camera. The pictures were taken after World War II in Kloster (monastery) Indersdorf in Bavaria to give assistance to the search for family members. In 2010 the historic photographs were published in an Israeli newspaper to find these survivors in Israel.

In 2019 the pictures are part of the photo exhibition „HaChaim SheAchare“ (The Life After), which opened on January 20 in the foyer of Tel Aviv University Central Library.
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