Abdol

Abdullah Abed al-Rahman ist ein muslimisch-arabischer Israeli aus Abu Gosh, einer arabischen Stadt in den Vorbergen von Jerusalem. Abu Gosh ist die israelische Hauptstadt des Hoummus und des Weiteren bekannt für das Musikfestival Abu Gosh und dafür, dass ihre Bewohner während des israelischen Befreiungskrieges auf der Seite der Juden standen.

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Bis zur 10 Klasse ging Abdol, wie sich Abdullah Abed al-Rahman kurz nennt, auf eine arabische Schule und wechselte dann auf einer hebräische Schule, wo er sich in der 11 Klasse für die Reise nach Polen anmeldete. Der Besuch in Auschwitz hat seine Weltsicht nachhaltiger geprägt als jede andere Erfahrung. Wer sich mit dem Holocaust auseinandersetze verstehe die absolute Notwendigkeit eines jüdischen Staates, sagt Abdol.

Abdol hat einen Namen als Internetaktivist, seit er mit dem orthodoxen Juden Michal Julian die Seite „Rechte und Araber tweeten“ betrieb, ein Projekt, dass die jüdisch-arabische Koexistenz unter einem zionistischen Gesichtspunkt befördern sollte. Die Plattform sollte Bevölkerungsgruppen in Kontakt bringen, die sich sonst meiden. Hinter Feindseligkeiten stecke oft Unwissenheit, erklärt Abdol. Friedliebende Araber hätten in Israel kaum Medienpräsenz. Wenn die Unterstützer der Rechten in direkten Kontakt mit denjenigen Arabern kämen, die in Ruhe ihren Kaffee trinken und ihrem Beruf nachgehen wollten, könne dies deren Feindbild ins Wanken bringen.
Die meisten Unterstützer der Rechten seien Juden nordafrikanischer und orientalischer Abstammung, erklärt Abdol. Die kulturelle Nähe befördere das gegenseitige Verständnis, ist er sich sicher und Zehntausende, die der Seite folgten, bestätigten ihn in seiner Annahme.

Die Linken in Israel, so sagt Abdol, seinen vorwiegend Ashkenasi und für die jüdisch-arabische Verständigung irrelevant. Als zufriedener, ambitionierter Araber, der daran glaube in Israel Karriere zu machen, passe er nicht in deren Agenda. Die Ashkenasi würden erfolgreiche Araber so wenig wollen, wie erfolgreiche Sepharden, Mizrahi oder Äthiopier, ist Abdol überzeugt. Linke Aktivisten, so sagt Abdol, akzeptieren israelische Araber nur als benachteiligte und leidende Bevölkerungsgruppe.

Abdol, der sich selbst als pro-zionistischer Israeli bezeichnet, ist stolz in einem demokratischen und liberalen Land zu leben.
Patriotischer Israeli zu sein ist ein Teil seiner Identität, der andere Teil ist Araber zu sein. Sein soziales Engagement sei darauf ausgerichtet, zu integrieren, sagt Abdol. Weil Integration Erfolg möglich macht und Abdol sich für die israelischen Araber Erfolg wünscht. Er freue sich über jeden Araber, der es in Israel zum Professor, Richter und Oberarzt schaffe, sagt er.

Den Vorwurf der Apartheid könne er nicht mehr hören, sagt Abdol und erklärt, dass die Ungleichheit in Israel weniger auf Chancenungleichheit zurückzuführen sei, sondern auf ungleiche Nutzung von Chancen. So sei das ungleiche Bildungsniveau nicht mit staatlicher Ungleichbehandlung von arabischen und jüdischen Schulen zu erklären.

Das größte Unglück der israelischen Araber seien ihre politischen Vertreter sagt Abdol. Statt die Interessen der Araber in Israel zu vertreten und sich für ihr Wohlergehen einzusetzen, würden sie Propaganda betreiben. Wie den Linken so seien auch die arabischen Politiker an einer augenscheinlich misslichen Lage der arabischen Bevölkerung in Israel interessiert. Dazu komme das Engagement der arabischen Politiker für die palästinensische Sache, die ihren Wählern mehr Schaden als Nutzen bringe. Statt Annäherung würden die arabischen Politiker Spaltung betreiben und Unfriede stiften.

Als Abdullah Abed al-Rahman aus Abu Gosh sich auf seiner facebook Seite gegen die Anschläge der jüngsten Terrorwelle aussprach und Anfang 2016 die Liquidierung eines Terroristen gut hieß, ging sein Profil durch eine Reihe palästinensischer facebook- Gruppen und er bekam Drohungen, die ihn veranlassten zu seiner Sicherheit seine Arbeitsstelle zu wechseln. Statt nach Jerusalem pendelt Abdol deshalb täglich nach Tel Aviv. Wer sich mit ihm auf einen Café trifft, sieht, dass er sich in der Boomtown am Mittelmeer sichtlich wohl fühlt.

Abdol ist wichtig zu betonen, dass es heute in allen arabischen Städten und Dörfern viele junge Menschen gebe, die wie er gerne im Staat Israel leben würden. Wie er selbst würden sie von den arabischen Führern dafür oft als Kollaborateure angesehen. Der Bürgermeister von Abu Gosh reagierte auf den angesprochenen facebook Eintrag mit der Erklärung, dass Abdol nicht die Stadt repräsentiere.
Zu seinem Bedauern, so sagt Abdol, würden manche junge Araber aufgrund von sozialem Druck und offener Einschüchterung keinen Militär- und Ersatzdienst leisten und sich so die Integration verbauen.

Das neuste social Media Projekt von Abdol ist die Seite „Die Söhne Abrahams sehnen sich nach Frieden“, die sich gegen die Verleumdung Israels in der arabischen Welt wendet. Viele Araber, so Abdol, wüssten nicht, dass in Israel zwei Millionen Araber als gleichberechtigte Staatsbürger leben würden. Die Kernaussage an die arabische Welt: Nirgendwo im Nahen Osten geht es den Arabern besser als in Israel, wo sie nicht von Arabern regiert werden.

Den Palästinensern wünscht Abdol ganz grundsätzlich einen eigenen Staat. Realistisch, so sagt er, sei die Zwei-Staaten-Lösung indes nicht. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Abkommen mit Abbas geschlossen würde, hätte dies nur eine kurze Halbwertszeit, mutmaßt Abdol. Nach Abzug der Israelis würden sich im Westjordanland Hamas, Al Kaida, der IS und der Iran um die Herrschaft schlagen. Die Palästinenser selbst wären die größten Verlierer, wenn „wir“ aus dem Westjordanland abziehen würden, ist Abdol überzeugt. In seiner Zurückweisung der Zwei-Staaten-Lösung klingt Abdol fast wie ein Likudnik.

Das bedeute nicht, dass er an den Rechten, die seit er politisch denken kann in Israel an der Macht sind, keine Kritik habe. Tatsächlich sieht er die Rechte in der Verantwortung, gegen den Rechtsextremismus in den eigenen Reihen so rigide vorzugehen, wie gegen den arabischen Extremismus. Für ein Miteinander sei es unerlässlich, dass Übergriffe von Juden gegen Araber nicht nur verbal verurteilt würden, sondern so entschieden bekämpft würden wie Übergriffe von Arabern gegen Juden.

Text: Oliver Vrankovic

Zum Thema:
Zwei-Staaten-Lösung pt.1
Zwei-Staaten-Lösung pt.2