„Die Jeckes – denk ich an Deutschland“

Begonnen hat es Purim 2010 als ich mir den Knöchel gestaucht habe und Florian Krauss mich in meinem roten Fiesta ins Heim fahren musste und dort in der Lobby warten bis ich bandagiert war. Mit dem geschulten Auge des Dokumentarfilmers nahm Florian das Besondere am Haus und seinen Bewohnern in Augenschein.

© Florian Krauss


Im Elternheim Pinkhas Rozen verbringen deutsche und kulturdeutsche Mitbegründer des Staates Israel ihren Lebensabend. Menschen, in deren Sitten und Umgangsformen das liberale Bildungsbürgertum aufgehoben ist, das in Mitteleuropa keine Entsprechung mehr hat. Menschen, deren Leben eng mit der Weltgeschichte verwoben ist.

Ich selbst habe vor vielen Jahren angefangen, Geschichten aus dem Leben der Menschen im Heim aufzuschreiben und dabei ein immer tiefer gehendes Interesse an den “Jeckes” entwickelt.
Jeckes 1+2, Jeckes 3+4

Als Florian 2013 mit Tuvia Tenenbaum in Israel “Allein unter Juden” war, machte Tuvia auf unser Anraten im Heim halt. Es schien uns eine gute Idee, dass Tuvia den Bewohnern, die in den 1930er Jahren aus Deutschland geflohen sind erzählt, was er “Allein unter Deutschen” erlebt hat. Tuvia verlautbarte seine Einschätzung, dass der Antisemitismus in Deutschland noch sehr lebendig sei. Zu unserer Überraschung fühlten sich nicht wenige Bewohner des Heims, denen Deutschland vermeintlich für immer verleidet wurde, von seinen Darlegungen unangenehm angegangen. Es wurde klar, dass die Menschen, die aus Deutschland fliehen mussten und Israelis wurden, auf eine schwer fassbare Weise Deutsche geblieben sind.

Bei Florian reifte der Entschluss diese Menschen aus Deutschland, deren Verhältnis zu ihrer neuen Heimat von Affirmation und Negation geprägt war, zu porträtieren. So hielt er sich im Spätsommer 2014 wochenlang im Heim auf, um die Geschichten der Bewohner und gleichsam ihren Lebensabend im Heim mit der Kamera festzuhalten. Darüber hinaus fing Florian die vielfältigen Einschätzungen dieser Menschen zu Deutschland ein. Der Sommer 2014 brachte den Antisemitismus in Deutschland zu Tage, den Tuvia ein Jahr zuvor beschrieben hatte. Florian fing die Leute bei der Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte und den Geschehnissen ein.

2015 kam die Producerin Sarah Burkard  über Tuvia und den Mediengestalter Martin Bracke in Kontakt zu Florian. Sarah hat für und mit Tuvia an der Uni aus „Allein unter Juden“ gelesen.

Ein Dokumentarfilm über das Heim und seine Bewohner ist in Arbeit. Bisher entstand der Rohschnitt und ein 10minütiger Trailer.  Eine Seite zum Projekt mit kurzen Filmsequenzen gibt es hier:

jeckes

Am 31.5. halte ich mit Sarah in Kassel, der Partnerstadt von Ramat Gan einen Vortrag “Schlafstunde und Zionismus” zum Thema. Ich rede und Sarah bringt Filmausschnitte mit.
Veranstalterin ist die DIG Kassel. VEranstaltungsort ist das Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben

Weitere Termine sind in Planung.

Wegen weiterer Termine und für Fragen und Anregungen o.vrankovic(at)gmail.com